Nike-Spot: Torres braucht keine GPS-Navigation Erstes Bundesliga-Tor von Korkmaz
Apr 29

Wenn es nach Peter Schöttel geht, dann ja. Das 42–jährige Rapid-Urgestein wünscht sich, dass junge Spieler zuerst in heimischen Gefilden Fuß fassen, bevor sie ins Ausland wechseln. Dafür würde er ihnen auch den einen oder anderen Fehler verzeihen. Im Gespräch mit Kugelblitz analysiert Schöttel, warum in Österreich eine Ausbildungsliga am sinnvollsten wäre und Salzburg trotzdem nicht alles falsch macht.

Kugelblitz: In der laufenden Saison sind in der Bundesliga bereits 492 Tore (Kugelblitz berichtete) gefallen. Soviele wie seit 1998 nicht mehr. Was halten Sie davon?

Peter Schöttel: Einerseits ist es ungewöhnlich, dass Spieler wie Janko, Maierhofer oder Hoffer so viele Tore erzielen. Das spricht aus meiner Sicht schon ein bisschen gegen die Abwehrspieler. Andererseits versuchen Mannschaften wie Salzburg, extrem offensiv zu spielen. Da ist es logisch, dass man zwar mehr Tore erzielt, aber durch diese riskante Spielweise auch mehr Gegentreffer hinnehmen muss.

Kugelblitz: Manche Experten bewerten diese “Torflut” als Merkmal für das allgemein schwache Niveau der Liga.

Schöttel: Mit solchen Aussagen muss man vorsichtig sein. Es ist auf alle Fälle so, dass bei den Vereinen momentan mehr junge österreichische Spieler zum Einsatz kommen als noch vor ein paar Jahren. Da ist ganz einfach etwas Geduld notwendig. Die Jungen können nicht gleich auf demselben Level wie routinierte Legionäre spielen. Ich habe viele Bundesliga-Spiele gesehen, wo es den Stürmern wirklich sehr leicht gemacht wurde. Das ist ein Entwicklungsprozess, den jedes Talent durchmachen muss. Es freut mich aber prinzipiell, dass mehr Junge zum Einsatz kommen.

Kugelblitz: Wenn man die Quoten vergleicht, fällt auf, dass in den großen Ligen wie Spanien oder England weniger Tore erzielt werden. Österreich liegt circa auf dem Schnitt von Estland. Ein Zufall?

Schöttel: Eine allgemeingültige Erklärung gibt es da in meinen Augen nicht. Natürlich steht das Ergebnis immer im Vordergrund. Manche Länder sind uns einfach voraus, was die Taktik betrifft. Auch im körperlichen Bereich sind die Spieler in den Top-Ligen fitter. Bei körperlich starken Mannschaften passieren dann letztendlich auch weniger Fehler, die zu Gegentoren führen.

Kugelblitz: In den letzen Wochen wurde teils heftig über eine Aufstockung der beiden Profi-Ligen in Österreich diskutiert. Welche Variante wäre Ihnen am liebsten?

Schöttel: Ich habe mich in dieser Debatte immer klar deklariert. In der obersten Spielklasse würde ich die Zehnerliga beibehalten. In der zweiten Liga wären für mich 16 Vereine die Ideallösung. Dazu sollten die Amateurmannschaften wie beispielsweise die Red Bull Juniors ebenfalls spielberechtigt sein. Ganz einfach um den Nachwuchsspielern, die jedes Jahr nachrücken, eine Möglichkeit zu geben, Spielpraxis zu sammeln. Das Argument, dass Österreich zu klein für 26 Profiklubs ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Profibetrieb kann mit vielen jungen Spielern um einiges billiger geführt werden als es beispielsweise Magna oder Trenkwalder machen.

Kugelblitz: Sollte sich Österreich mehr in Richtung Ausbildungsliga wie beispielsweise in Tschechien oder den skandinavischen Länder entwickeln?

Schöttel: Das fordere ich schon seit Jahren. Es wäre der beste Weg für alle Klubs, Vereine wie damals die Austria unter Stronach oder jetzt Salzburg mit Mateschitz ausgenommen. Die haben andere finanzielle Möglichkeiten. Damit sollen sie machen, was sie wollen. Salzburg haben ja damals in der Champions-League-Qualifikation gegen Donezk nur ein paar Minuten für den Aufstieg gefehlt. So weit weg sind sie dann also auch wieder nicht.

Kugelblitz: Die internationalen Topklubs verpflichten seit ein paar Jahren massenhaft Talente im Alter von 12 bis 16. Nur ein Bruchteil davon kann sich später dann auch durchsetzen. Besian Idrizaj ist in der Versenkung verschwunden, nun wechselt Philipp Prosenik mit 16 zu Chelsea. Die richtige Entscheidung?

Schöttel: Diesen Hype, der momentan rund um Philipp Prosenik entsteht, verstehe ich überhaupt nicht. Der Junge wechselt zu Chelsea in eine Nachwuchsakademie. Es ist nicht so, dass er mit 16 dort in der Kampfmannschaft spielt. Ich bin dafür, dass sich Talente zuerst in Österreich durchsetzen. Philipp wäre meines Wissens nach bei Rapid im Sommer in den Bundesliga-Kader gekommen und hätte wahrscheinlich nächste Saison seine Einsätze gehabt. Er ist ein riesiges Talent, aber wenn man schlussendlich beinhart analysiert, wer sich auf diesem Weg im Ausland durchgesetzt hat, bleibt nur noch Martin Stranzl über. Pogatetz, Cerny und Co. haben erst den Umweg über Österreich machen müssen, bevor ihre Karriere so richtig ins Laufen gekommen ist.

Kugelblitz: Besteht da nicht die Gefahr, dass man zu lange in Österreich bleibt und dadurch für ausländische Klubs uninteressant wird? Als sich Arsenal-Coach Arsene Wenger 2007 nach Christoph Leitgeb erkundigte und erfuhr, dass er 22 Jahre alt ist, hat er dankend abgelehnt.

Schöttel: Das ist der Wenger, der sucht 17- bis 18-Jährige, der ist ein Extrembeispiel. Ich habe die altmodische Meinung, dass sich ein Junger zuerst in der Bundesliga beweisen muss. Wenn man bei seinem Klub Stammspieler ist und im Nationalteam eingesetzt wird, hat man im Ausland einen ganz anderen Stand. Philipp Prosenik wird in England sehr viel besser als alle anderen sein müssen, um irgendwann Premier-League-Luft schnuppern zu können. Allerdings ist nichts verhaut, wenn es nicht klappt. Zurückkommen kann er immer noch.

Kugelblitz: Wieviel Sinn macht ein Wechsel innerhalb der Bundesliga? Immerhin ändert sich der Verein, die Liga und somit das Leistungsniveau bleibt aber gleich.

Schöttel: Für Andreas Ulmer zum Beispiel war es auf jeden Fall positiv. Er war nie das „Über-Drüber-Talent“. Bei der Austria ist er in Wahrheit abgegeben worden. Bei Ried ist im der Durchbruch gelungen. Jetzt hat er mit dem Wechsel zu Salzburg den nächsten Schritt gemacht. Schauen wir mal, wie es mit ihm weiter gehen wird.

written by Florian Tietze \\ tags: , , , , , , , ,


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