Der österreichische Fußball hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Unsere nicht gerade mit einer hohen Dichte an Talenten gesegnete Nation verliert eine Nachwuchsakademie, weil es die amateurhaften Verbandsstatuten so wollen. Ein Schildbürgerstreich der Sonderklasse.
Man kann über Frank Stronach geteilter Meinung sein. Fest steht: Der kanadische Selfmade-Milliardär hat in der Vergangenheit, schlecht beraten durch Aasgeier wie Peter Svetits oder Ernst Neumann, Fehler begangen. Seine gut gemeinten Millioneninvestitionen hatten bei der Wiener Austria und jetzt bei Magna Wiener Neustadt nicht immer positive Auswirkungen auf den heimischen Fußball. Zu den eher dünn gesäten Pluspunkten zählt jedoch zweifelsfrei die Eröffnung der Frank-Stronach-Nachwuchsakademie in Hollabrunn. Oder besser gesagt: Zählte. Aufgrund der Verbandsstatuten, die in Niederösterreich nur zwei Akademien erlauben (!!!), fällt in Hollabrunn der letzte Vorhang. Das Nachwuchsförderprojekt, in das im achtjährigen Bestehen insgesamt 20 Millionen Euro investiert wurden, muss weichen, da die zwei vorgeschriebenen Plätze von den Akademien der Admira und St. Pölten belegt werden. Da der FC Magna, der bis Saisonende noch mit Wiener Lizenz spielt, im Sommer in den niederösterreichischen Verband wechselt, ist für die FSA kein Platz mehr. „Ein weiterer BNZ-Status […] konnte beziehungsweise wollte nicht vergeben werden“, ist im „Kurier“ zu lesen. So sieht sportpolitische Inkompetenz in Reinkultur aus.
Während St. Pöltens Akademie-Leiter Franz Wurzer seine hämische Freude („Stronach ist selbst schuld, weil er wusste, dass es keine dritte NÖ-Akademie geben kann. Es gibt auch keinen Schaden für den Fußball, weil alle Talente übernommen werden“) gar nicht verbergen will, zeigen sich die Verantwortlichen in Hollabrunn schockiert. „Hier wird Sportpolitik auf dem Rücken der Talente ausgeübt. Jetzt weiß ich, warum Österreich Nummer 92 der Welt ist“, schäumt FSA-Boss Karl Schörg vor Wut. Auch Frank Stronach selbst ist maßlos enttäuscht. „Schade, dass Paragraphen festlegen, ob ich eine Akademie machen darf. Paragraphen werden von Menschen gemacht und von Menschen wieder geändert.“ Eine Aussage, die im österreichischen Bürokratie-Dschungel leider etwas blauäugig wirkt.
Eine Lösung, die in einem ernsthaften Fußball-Verband durchaus möglich wäre, würde den frisch inthronisierten ÖFB-Chef Leo Windtner ins Spiel bringen. Der Oberösterreicher bezeichnet sich selbst bei jeder sich bietenden Gelegenheit als „Mann der Tat“ und „Nachwuchsförderer“. Als oberster Präsident der Verbände hätte er nun erstmals die Möglichkeit, seinen Worten Taten folgen zu lassen…
Zurück in die Realität: Durch die Schließung wird im Sommer eine große Zahl an Talenten auf den Markt geschwemmt. Einen Teil davon soll die mit kolportierten 6,6 Millionen Euro von der Stadt Wien subventionierten Austria-Akademie, die eben im Entstehen ist, übernehmen. „Wir haben jedenfalls die Verpflichtung, den Burschen eine Lösung anzubieten“, meint FAK-Manager Markus Kraetschmer. In der Vergangenheit entsprangen bereits einige vielversprechende Talente dem Stronach-Projekt. Viele mussten jedoch erst die „Veilchen“ verlassen, um ihre Karriere auf Schiene zu bekommen. Beste Beispiele dafür sind etwa Christoph Saurer oder Andreas Ulmer. Frank Stronach zeigt sich indes ernüchtert: „Grundsätzlich sollte Österreich froh sein, wenn jemand privates Geld hinein steckt, noch dazu in den Nachwuchs. Ich habe mich im Vorjahr von der Austria zurückgezogen, weil du es in diesem Klub nie allen recht machen kannst. Und wenn man darüber hinaus noch beschimpft wird, warum soll man dann Geld rein geben?“ Das Ende der Frank-Stronach Akademie – ein weitere Bankrott-Erklärung der Funktionärsriege in Österreich.
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