Christiano Ronaldo vs. Bugatti Wiener Stadthallenturnier – Eine Farce
Dez 23

Im heimischen Fußball läuft einiges schon seit geraumer Zeit einiges nicht so ganz rund, das ist kein Geheimnis. Um Abhilfe zu schaffen wird vom Boulevard und der breiten Öffentlichkeit immer wieder ein starker Mann gefordert, einer der alleine den Karren raus aus dem Dreck ziehen soll.

Dieser wackere Teufelskerl darf sich dann zum Beispiel ÖFB-Präsident, Teamchef - oder aber Spielmacher titulieren. Den Letztgenannten (die anderen beiden natürlich auch) darf man mittlerweile getrost als österreichisches Steinzeit-Überbleibsel bezeichnen, denn in der Benchmark, also dem erfolgreichen internationalen Fußball, ist diese Position schon lange vom Aussterben bedroht.

Heutzutage kann man es sich nicht mehr leisten, ein Spiel komplett von einer einzigen Person abhängig zu machen. Dadurch wird man viel zu ausrechenbar, träge und unflexibel. Vielmehr muss die ganze Mannschaft Kreativ-Aufgaben übernehmen.

Am Beispiel der Europameister-Mannschaft von Spanien kann man diese Tatsache besonders gut erkennen: die Außenverteidiger Capdevila und Ramos sorgen mit dem “Sechser” Senna für die erste Station im Aufbau, davor wuseln Xavi, Silva und Iniesta herum und schließlich helfen vorne die Spitzen Villa und Torres mit, den Spielfluss zu tragen.

Eine Feldspieler-Position ist hier ausgelassen worden – der Innenverteidiger. Diese Kerle bezeichnete Trainer-Legende Louis van Gaal vor ein paar Jahren sogar als die wahren Spielmacher. Denn die IV’s haben als einzige den nötigen Raum – und dementsprechend Zeit – das Spiel in die vorhin gut durchdachte Richtung zu lenken. Klingt vielleicht etwas kontrovers, bei näherer Betrachtung macht es aber durchaus Sinn.

Wenn man nämlich auf das Spielmacher-Schlaraffenland Österreich zurückkommt, wird man beobachten, dass es sich hier nicht nur die Innenverteidiger im Raum-Zeit-Gefüge gemütlich machen können – hier kann es jeder.

Das schafft natürlich automatisch Pole-Positions für ballsichere Akteure wie Vastic, Hofmann, Acimovic, Drechsel, Ze Elias und wie sie alle heißen. Wer den tödlichen Pass spielen kann ist unantastbar. Das man international aber nicht die alpenländischen Freiheiten genießen kann zeigt sich wohl in den diesjährigen Europacup-Erfolgen.

Vielmehr bekämpft man in der Bundesliga noch Feuer mit Feuer. So wird etwa im Wiener Derby für den Rapidler Hofmann mit Troyansky ein sogenannter “Kettenhund” zur Sonderbewachung abgestellt. Simple Manndeckung also, frei nach dem nahezu antiken Prinzip: einen Mann opfern, um einen anderen auszuschalten. Man spielt mit 10-gegen-10 weiter.

Das erschreckende an diesem Paradebeispiel ist aber: es funktioniert in Österreich – und wird sogar als Erfolg angesehen. Anstatt das andere Spieler der Hütteldorfer den zwangsläufig frei gewordenen Raum (durch das Troyansky-Opfer) nutzen, bleibt man offensiv zahn- und machtlos – der starke Mann ist ja nicht da, wer soll es also richten…?

Wenn man über das Nationalteam und dessen Mißerfolge der letzten Zeit redet, bekommt man von seinem Gegenüber regelmäßig zu hören, dass der Ivanschitz ja kein Spielmacher sei, es kann also gar nicht funktionieren. Das Argument, dass keine der Top-Mannschaften mehr mit einem “starken Mann” spielt, wird dabei meist gekonnt überhört. Gleich im Anschluss wühlt man in der Vergangenheit und beschwört Typen wie Maradona, Pelé oder Prohaska herauf.

Statt dem Spielmacher sollte man sich schon eher laufstarke Kreativ-Spieler wünschen – und davon gleich elf Stück für die Start-Formation, denn so wird moderner Angriffs-Fußball gespielt.

written by Johannes Sturm \\ tags: , , , , , , ,


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