Fußballer des Jahres 2008 Okotie vs. Maierhofer
Dez 07

Immer mehr Ex-Kicker verdienen sich ihre ersten Trainer-Sporen bei Amateur- oder Nachwuchs-Teams. Im Gespräch mit KUGELBLITZ.at verrät Peter Pacult’s rechte Hand ZORAN BARISIC die Notwendigkeit dieses beschwerlichen Werdegangs und fordert eine dringende Image-Korrektur für Jugend-Betreuer.

Diese Woche startet der ehemalige Schiedsrichter-Schreck Didi Kühbauer seine Trainer-Karriere bei den Admira-Amateuren. An und für sich nichts ungewöhnliches, nur ist es auffällig, dass in letzter Zeit auch verdiente Ex-Spieler als Teamchefs erst kleinere Semmeln backen müssen – ganz im Gegensatz zu früher, wo Legenden wie Herbert Prohaska und Hans Krankl direkt mit Bundesliga-Teams beauftragt wurden.

“Es ist nicht mehr so leicht wie früher – gleich nach der aktiven Laufbahn kann man keine Mannschaft übernehmen”, so Barisic, der nunmehr seit September 2006 bei Rapid seinem “Lehrmeister” Pacult auf die Finger schaut.

Hart verdienter “Führerschein”

Das alles gehört zu seiner Ausbildung – schließlich soll am Schluss die begehrte UEFA-Pro-Lizenz, also die höchste Trainer-Berechtigung, für ihn dabei herausspringen. Ob er diese erhält, entscheidet schließlich ein Komitee. Vorerst benötigt der ehemalige Freistoß-Künstler aber noch mindestens ein Jahr Berufserfahrung als Chef-Coach von einem Erste Liga-, Regionalliga- oder Landesliga-Verein. “Es geht sich zeitmäßig also gar nicht aus, direkt nach der Laufbahn als Trainer zu beginnen.”

Jugendwahn hält sich in Grenzen

Neben dem Karriere-Start bei einem Amateur-Team gibt es aber noch immer die Möglichkeit als Nachwuchs-Coach zu arbeiten. Für Normal-Sterbliche sowieso ein Muss, verdiente Ex-Kicker (mit einer Mindestanzahl an Bundesliga- oder Nationalteam-Spielen) können diese Hürde aber gleich vom Start weg umgehen und direkt bei den Erwachsenen beginnen.

Diese Tätigkeit bringt in der Alpenrepublik aber leider nur wenig Reputation. Bis auf wenige Ausnahmen wie Christian Prosenik, der die Hütteldorfer U19 betreut, bleiben die “Legenden” den Kindern fern.

Den Grund dafür sieht Barisic aber nicht in der fehlenden Wertschätzung: “Wir bringen es einfach nicht zustande ein entsprechendes Honorar an die Nachwuchstrainer zu zahlen. Dabei machen die den allerwichtigsten Job. Bei entsprechender Bezahlung hätten wir natürlich viele Ex-Kicker, die den Kindern das Fußballspielen von A-Z beibringen können – so wie in Holland.”

Paradebeispiel Ajax

In den Niederlanden ist es nichts ungewöhnliches, dass sich ehemalige Weltstars wie Frank de Boer der Jugend widmen. “Die können dort ruhig und professionell arbeiten und wollen gar nicht in die erste oder zweite Liga, es ist einfach ihre Ambition Spieler aus- bzw. weiterzubilden.”

Dass es im Land der Oranjes auch klar ist, die pädagogisch und fußballerisch geschicktesten Ausbildner bei den Acht- bis Zehnjährigen einzusetzen, ist für die meisten österreichischen Funktionäre absolut undenkbar. Hierzulande übernehmen diesen Job oftmals irgendwelche Väter, die an einer fundierten Ausbildung gar kein Interesse haben.

“Schön langsam sollten wir da umdenken und wirklich die besten Trainer unten an der Basis platzieren – und entsprechend bezahlen, denn ansonsten kommen sie gar nicht dort hin. Da muss auch der Verband reagieren und entsprechende Maßnahmen und Strukturen setzen”, meint Barisic abschließend.

Es erscheint deswegen regelrecht Paradox, dass genau in dieser Hinsicht beim stinkreichen FC Bayern ein gewisser Idealismus herrscht. Denn dort betreut Mehmet Scholl die U13 des Rekordmeisters für kolportierte 500 Euro im Monat…

written by Johannes Sturm \\ tags: , , , , , , , , ,


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